25 Jahre Piefke Saga

„25 Jahre Piefke Saga“. Viel wurde darüber in den Medien, Radio und TV berichtet und jetzt wieder ausgestrahlt. Ein Meinungstrend ist mir besonders aufgefallen.

Die Piefke-Saga  sei damals untertrieben gewesen. Es sei heute viel schlimmer.  Irgendwie scheint diese Meinung Mainstream zu sein. Die meisten meiner Beobachtungen sind jedoch ziemlich anders. Der letzte der folgenden Punkte trifft jedoch bedingt zu.

  • Ich sehe keinen Müll unter den Grasdecken. Heute ist die Müllentsorgung in der ganzen Recyclingkette bedeutend besser als vor 25 Jahren.

  • Die besoffenen Skilehrer und die männlichen Nutten, wo sind sie denn?
    Das Niveau der Skischulen hinsichtlich Verhalten gegenüber dem Gast, Dienstleistungsqualität, Seriosität und auch sportliches sowie pädagogisches Handwerk ist heute im Schnitt um ein Vielfaches höher als vor 25 Jahren.
  • Und das versklavte Personal, die im Schlafräumen übernachten und vielleicht auch noch das eine oder andere Kind vor dem Saisonsbeginn abtreiben lassen – welch ein Schwachsinn, solch ein Vorkommnis auch noch 25 Jahre nachher zu verallgemeinern. Heute bewohnen sehr viele Mitarbeiter im Tourismus Räumlichkeiten, die sich so manche Jungfamilie in nichttouristischen Gegenden wünschen würde. Mitarbeiterhäuser, Teamressorts mit Fitnessräumlilchkeiten, Cafes, WLAN sowieso und Tiefgaragen sind keine Seltenheit.
  • Und zu den mE vermeintlichen Umweltsünder „Bergbahnen“:
    Wie groß ist denn der ökologische Fußabdruck der Wintersportgebiete? Für alle, die sich die Antwort dieser Frage selbst erarbeiten wollen, ein paar Hinweise:
    – In Welcher Weise verschmutzt eine Bahn die Umwelt?
    – Die toten Böden unter den beschneiten Pisten, wo?
    – Der gesundheitliche und soziale Nutzen, wenn sich Millionen von Menschen in frischer Luft vergnügen und unterhalten, lachen, Spaß haben und wieder kommen. Wie groß ist dieser Aktivposten?
    – Und dann sollen alle jene, die undifferenzierte Kommentare dazu abgeben, einen Saldo aus o.g. Punkten errechnen. Vorab: diese Zahl ist extrem positiv! Und der ökologische Fußabdruck sehr, sehr klein.
  • Folge 4 (1993), die Umprogrammierung der Menschen: Wer die Folge gesehen hat, mag dazu neigen, diese letzte Sequenz als realitätsfremd abzutun. Ist sie auch, aber gleichzeitig hat hier Felix Mitterer den wahrscheinlich wichtigsten Beitrag geliefert. Wer diesen Part heute, 25 Jahre nach der Produktion der Piefke Saga, zu interpretieren gewillt ist, sieht darin nicht die technische Umprogrammierung sondern das einprogrammierte Schauspiel, das zum Verlust der Authentizität führt, das zumeist aus mE falschverstandenem Qualitätsmanagement und folglich aus falschem Personaltraining resultiert.
    Zwei  Beispiele aus der Folge 4 der Saga mögen das verdeutlichen:
    a) Wenn das, was man mit Gästen spricht, wortwörtlich heruntergeplappert werden muss, verliert die Unterhaltung ihren Charme, ihre Chance aus einem small talk ein kleines Erlebnis für den Gast zu machen. Das passiert vorwiegend in Telefongesprächen und Begrüßungen.
    b) Wenn der Gast uneingeschränkt König ist, weil er ja bezahlt für…,  kippt das System exzellente Services. Spitzenleistungen in der Dienstleistung funktionieren nach meiner nunmehr über 30jährigen Erfahrung nämlich nur, wenn den Mitarbeitern auch die Möglichkeit erhalten bleibt, sich selbst treu zu bleiben. Authentisch zu sein. Sehr wohl vor dem Hintergrund ständiger Weiterbildungen, Trainings und durchdachter Standards, wie sie durch praxistaugliches Qualitätsmanagement nachhaltig umgesetzt werden können.

Nicht als Kontrapunkt zur Piefke Saga sondern als notwendige Ergänzung, die mit Mitterers Werk zum Nachdenken einen Beitrag leisten kann, ein interessantes Video: