Neujahrsbrief 2022 von Stefan Schranz #115

EINS
Fliegen, Synonym des Reisens. Unterwegs sein können hat durch den zeitweiligen Verzicht eine neue Qualität bekommen. Es ist wichtig, dass wir reisen! Mit dem Auto, auf dem Bike, in einem Wohnmobil oder mit dem Zug. Vielleicht fliegen, wenn es keine bessere Alternative gibt. Oder in Bälde als beste Alternative elektrisch fliegen.
Egal, ob wir selbst die Gäste oder die Reiseanbieter sind – zu wissen, dass das Reisen und Urlauben viel mehr ist als nur ein Freizeitmodus, beflügelt auf jeden Fall die Innovationen, die auch neue Dienstleistungen hervorbringen. Um mit Johanna Wagner-Katzera in „Zwischen den Zeilen reisen“ zu sprechen: Services, die das Sammeln immaterieller Momente viel leichter machen, aber wesentlich schwerer wiegen … denn das Substanzlose erschwert den Rucksack nicht, aber bereichert die Seele. Reisen, auch im Wissen, dass ein örtlicher Standpunktwechsel stets neue Perspektiven eröffnet und dadurch neue oder andere Optionen an der Oberfläche unserer Gedanken auftauchen. Eben neue Ideen, die uns hoffentlich gut durch dieses neue 22er Jahr bringen.

ZWEI
Mihaly Csikszentmihalyi, der gebürtige Kroate aus Kalifornien, der FLOW „erfunden“ hat, hat im Oktober des vergangenen Jahres seine letzte Reise angetreten. Seit nahezu 30 Jahren ist Dienstleistungs-Management und Service excellence zentraler Content meiner Vorträge und Entwicklungen für die Firmen meiner Kunden. Und genau so lange ist Flow das „Tool“, mit dem sich viele Menschen intrinsisch zu Spitzenleistungen im Kundenservice motivieren. Im Zeitalter, in dem gute MitarbeiterInnen gesucht werden wie Gold, ist die Kenntnis über Flow für die Führungskräfte unabdingbar.

DREI
Im Neujahrsbrief 2017 habe ich geschrieben: „Das Digitale kommt noch in viel größerem Ausmaß, als wir vor zwei oder drei Jahren zu vermuten wagten.“ Das hat sich bestätigt und die Pandemie hat dieser Entwicklung einen zusätzlichen Schub verliehen. Mitunter auch zum Nachteil der AnwenderInnen. Die Fülle der digitalen Tools verwirrt und die Daten darin verursachen Chaos auf vielen Computern und Handys.
KonMari, die Aufräum-Methode der kleinen Japanerin Marie Kondo, lässt sich wunderbar in deine digitale Welt übertragen:
1. APPs, Tools und Daten ausmisten. Frei nach den Grundsätzen von Kondo, die Selbiges in der analogen Welt vorpraktiziert und dabei alles verschmeißt, was nicht wirklich gebraucht wird.
2. Bevor man dann Daten, Fotos oder Notizen auf irgendeinem Device, in irgendwelchen APPs, irgendwo speichert und sodann ständig auf der Suche ist, gilt es, in kurzer Zeit, in einem Durchgang eine klare Struktur zu schaffen, um das Wirr-Warr, das deinen Kopf stresst und dir die Zeit stiehlt, aufzulösen. Beruflich gleich, wie privat. In Firmen und im Teamwork unabdingbar.
3. Tools und Daten mögen. Klingt einfach. Ist einfach.


VIER
Ich hadere mit Immanuel Kant:
„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“
Das hieße, dass es keine Überschneidung zweier Freiheiten gäbe. Für meinen persönlichen Gebrauch – und vielleicht auch für dich – lautet mein Update-Vorschlag:
„Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo das Leben des Anderen beeinträchtigt wird.“
Ich vermute, dass dieses Update insbesondere im Kontext der Pandemie angebracht ist. Und ich freue mich, wenn ich meine Freiheiten mit jenen der Anderen gemeinsam erleben darf.

FÜNF
Meine Buchempfehlung für 2022: Man muß sie suchen, die Bücher, die Seriosität, Substanz und ein Reichtum an Perspektiven bieten. Das Buch „Die Kunst des richtigen Maßes“ klingt so unaufdringlich wie die Erscheinung des Autors Johannes Huber, wenn man ihn live beobachtet. Wer bereit ist, ihm genau zuzuhören bzw. sein Buch konzentriert zu lesen, findet darin Gold für Körper, Geist und Seele aus der Welt der Medizin und Philosophie.


Ich wünsche dir, deiner Familie und deinen Freunden a guats nuis Jahr.

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