Tesla Model 3: Es ist, wie mit einer APP fahren. Und ja, „Auto kann es auch“. blog65

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Tesla fahren ist wie diese Symphonie Nr. 90 von Haydn: sanft-schnell.

Seit 4 Tagen fahre ich das Model 3  von Tesla. Zwei Dienstreisen. 1.200 km. Es ist wie mit einer neuen APP. Man muß vorerst eine Weile rumtippen, um zurechtzukommen. Das look and feel ist schön, ästhetisch. Irgendwie muß man Auto fahren neu lernen. Die Entwickler haben das Ding ziemlich zu Ende gedacht. Trotzdem: das nächste Update ist wichtig. An manchen Ecken herrscht Beta-Status.

Nach den ersten Kilometern auf der Autobahn von Wien westwärts war die intuitive Bedienung des 15-Zoll-Cockpits des Model 3 schon ziemlich vertraut. Unter anderem erschien Haydn in der Playlist auf dem Screen. Die Symphonie 90 angeklickt. Vielleicht gab es in diesem Moment keine schönere Musik aus den 15 Soundboxen, bei lautlosen 130 km/h. Ok, es waren vielleicht ein bisschen mehr, aber ich will ja nicht nachträglich …  😉 Auf jeden Fall: dieses „neue Fahren“ fühlt sich sehr gut an. Wie die Symphonie Nr. 90 von Haydn: sanft-schnell.

Aber vorerst zurück zur Übergabe: Viele M3-Fahrer fanden die Übergabe ihres neuen Autos, wie man in den sozialen Medien lesen konnte, unprofessionell, waren enttäuscht und erhielten ungeputzte und mitunter mangelhafte Fahrzeuge. Für andere Neukunden war die Übergabe ein Erlebnis. Also sehr unterschiedlich, von holprig bis sehr gut. Vielleicht hatte ich Glück, oder war meine Erwartung einfach nicht zu hoch gesteckt. Deshalb habe ich als einer der ersten Reservierer von Österreich – am 1.4.2016 am frühen Morgen, während der Präsentation –  auch nicht ungeduldig auf die Auslieferung gewartet.  Wer drei Jahre wartet, macht wegen drei Wochen mehr oder weniger auch keinen Zores 😉

Die Telefonate von Tesla AN mich vor der Übergabe waren stets sehr freundlich und zuvorkommen, wenngleich das Fachwissen mitunter besser sein hätte können, weil es ja eh stets nur um ein einziges Produkt ging. Telefonate VON mir an Tesla ähnelten hingegen eher einem Hürdenlauf, weil sehr schwierig, jemanden zu erreichen. Gleiches galt für eMails. Wenn also Tesla den Online-Verkauf und die Kundenbetreuung professionalisieren möchte, ist die Grundvoraussetzung, dass sie auch dialogfähig sind und eine schnelle, gründliche Hotline betreiben, sonst gibt es zurecht verärgerte Interessenten und Kunden, die andere eAutos kaufen, sofern diese (dann) mit Tesla konkurrieren können.

Die Übergabe an sich dauerte ca. eine Stunde. Die Erklärungen waren ok, in die Tiefe ging der nette Berliner in Wien mangels Kompetenz jedoch nicht. Vielleicht auch, weil Elon Musk damit rechnet, dass die meisten Kunden digitalaffin sind und das Auto kennen lernen, wie sie dies mit einem neuen Smartphone tun. Hoffentlich, wenn man beobachtet, dass hier stündlich viele neue Teslas die Übergabehalle verlassen. Viele. Stündlich. Irgendwie, wie Rush Hour. Mit dieser Menge habe ich nicht gerechnet. Und wäre ich ein konventioneller Autobauer, hätte ich eine ziemlich schlaflose Nacht vor mir. Ob das die hochdotierten Manager und Techniker der bekannten Autofirmen auch so sehen, mag ich bezweifeln. Selbst viele bestausgebildete Spezialisten – unabhängig ihres Alters – haften in den Entwicklungsabteilungen am Herkömmlichen. Am Bewährten. Am Verbrenner. Am Analog.

Nun muß man diese oben angeführte Unterschiedlichkeit der Übergaben bei Tesla relativieren. Erstens ist Tesla ein junges Unternehmen. Irgendwie ein Start-up-Konzern. Zweitens waren viele offensichtlich schnelleingeschulten Mitarbeiter/innen von der Fülle ihrer Tätigkeiten überfordert. Ganz einfach, weil aufgrund der großen Verkaufsmenge dieses Modells nicht ausreichend Zeit vorhanden war, um allen Kunden eine professionelle Übergabe zu bieten. Wenn man jedoch ein Auto um über  60.000 Euros kauft, MUSS das so gut funktionieren, dass man als Kunde zumindest zufrieden ist! Es muss nicht unbedingt Begeisterung hervorrufen.
Und: Uns allen sind Firmen bekannt, die bereits ihr 40stes oder 50stes Jubiläumsjahr gefeiert haben und nach wie vor über keine Standards verfügen, die Kundenbegeisterung hervorrufen.  An dieser Stelle darf ich ein wenig Eigenwerbung machen für mein Seminar „Das große Spiel der Kundenbegeisterung“

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Kunden begeistern ist eine subtile Kunst. Seit 25 Jahren darf ich für viele Dienstleister einen kreativen Beitrag dazu leisten. Kundenbegeisterung ist viel „face2face“, Emotion, aber auch Bildsprache, Ästhetik …

Zum Fahren will ich hier nichts schreiben. Fahren Sie einfach einmal. Vielleicht geht es Ihnen gleich wie den Meisten, die danach aussteigen und wieder fahren wollen. Und wieder fahren wollen. Und wieder…

Während der ersten Pause in der Nähe von St. Pölten fragte mich ein netter Herr, der mir auf den Parkplatz gefolgt ist, ob er wohl mal einen Blick in das Auto werfen dürfe. Na klar, reinsitzen geht auch, bot ich ihm an. Das endete damit, dass er eine kleine Spritzfahrt um die Tankstelle SEINES Autos  absolvierte. Als nette Gegenleistung durfte ich mit seinem Skateboard eine Runde fahren. Skateboard mit Elektromotor, versteht sich, schließlich war er Elektrotechniker und ich ein Skateboarder meiner Jugendtage.

Nach 700.000 km TankUhrBlick war die Umstellung auf die Info zur verbleibenden Reichweite und die 8% Batterieladung, die beim nächstempfohlenen Supercharger noch zur Verfügung stehen sollte, ziemlich beängstigend, weshalb die Suche nach einer näherliegenden Lademöglichkeit am ersten Abend mitunter durch irgendwelche Niederösterreichischen Feldwege führte. „Diesel war einfach“, dachte ich in der Dunkelheit zwischen zwei Erdäpfeläckern 😉 Es war meine fehlende Erfahrung, vielleicht auch ein bisschen Dummheit, bestimmt aber die APP von Plugsurfing, die hinsichtlich Standortvorinformation noch ausbaufähig ist. Schlussendlich dann doch eine näherliegende Supercharger-Station inklusive hilfsbereitem Tesla-Fahrer gefunden, der mir die Grundbegriffe des Ladens beibrachte, fährt der Herr aus Wien doch schon seit vier Jahren Tesla. Mir war in diesem Moment ein Rätsel, weshalb ich für das Laden am Supercharger nichts bezahlte, aber vielleicht ist das Teil der Auslieferungshölle von Tesla.

Drei Tage nach der Übernahme in Wien – Veranstaltung in Rosenheim. „Digital“ war das allesbestimmende Thema auf dem Wirtschaftsforum. Das große Kunst- und Konferenzzentrum scheint Mittelpunkt der Stadt hinsichtlich solcher Tagungen zu sein.  Trotz großer Parkgarage ist die nächste Lademöglichkeit für Elektroautos allerdings 2km entfernt. Kein einziger öffentlicher Destination-Charger in ganz Rosenheim. 23 Destination-Charger-Locations haben wir in Serfaus-Fiss-Ladis, die drei kleinen Dörfer auf 1400m in den Tiroler Bergen. 13 hat Wien.

Langstreckenfahrten mit Ladungsstopps sollen vorab geplant werden, sofern man Wert auf gutes Essen während des „Stromens“ legt. Also: Plugsurfing und ähnliche Dienste mit Restaurant- und Hotelbewertungsportalen kombinieren ist angesagt. Meine erste Übernachtung, die ich aufgrund eines Supercharger-Standortes gebucht habe, war im Design & Classic-Hotel in St. Pölten. SuC sehr gut. Hotel sehr gut. Frühstück sehr gut. Im Vordergrund dessen war mein Blog-Beitrag Nr. 13 (Hat Ihre Firma ein e-Image?“) vom Juli 2016 ziemlich treffend, außer dass ich mich im Zeithorizont getäuscht habe, denn selbst  momentan – drei Jahre danach – sind Lademöglichkeiten im Hotel oder Restaurant noch eine relativ hohe USP. In Zukunft könnte das ein unumgänglicher Service sein.

Wer kurz lädt, tut gut dabei seine Beine zu vertreten, Büroarbeit oder Telefonate im Auto zu erledigen oder einfach ein Schläfchen zu machen.  Für die zwei letztgenannten Zeitvertreiber habe ich eigene Profile für Sitz- und Lenkradposition angelegt. Ein einziger touch on screen und alles stellt sich ein. Jetzt, nach den ersten 1000km bin ich ziemlich überrascht, dass der Zeitverbrauch während des Ladens keine verlorene Zeit sein muss.

Und das erste Software-update gibt´s auch schon over the air, denn Internet ist inklusive im Auto. Neu ist der „Sentry-Mode“, der das Auto über die Kameras während der Abwesenheit des Fahrers überwacht. Will ein Unberechtiger das Auto öffnen, wird ein Video gespeichert.

Aja, während des Tesla-Updates wurde auch der Thermomix upgedatet. Und die Apple-Watch am Vorabend. Willkommen im Digital-Zeitalter 🙂 Die Tochter (15), fahren darf sie (offiziell) noch nicht. Aber den Tuch-Screen beherrscht sie so gut, dass sie Mama einweisen kann. Das sei alles richtig cool meint sie. Für diese Generation wird sich gangschalten und kuppeln wahrscheinlich mittelalterlich anhören.

Zurück zu meiner Jungfernfahrt, letzte Phase: Viel später dann, im Tal, von wo ich seit 40 Jahren den Berg auf über 1.400 Meter hochfahre, musste Haydn jedoch dem Sound meiner Jugendzeit weichen. Nazareth, This flight tonight, das hat dieser ersten Bergfahrt Action eingeflößt.  Damals waren die Fahrten auf dieser Bergstraße stets am obersten Limit, halt was die Kiste hielt. Heute ist sie breiter und besser asphaltiert. Trotzdem fuhr ich, mit Ausnahme dieses einen geilen Überholmanövers, langsamer. Und mit einem Auto, das so ganz anders ist. Der Mix von Nazareth und diesem Model 3 ergab schon eine sehr spezielle Schnittmenge.

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… perfekte Straßenbedingungen für Tesla AWD

Und dann, im Schnee angekommen, schallt Ben Zucker aus dem Soundsystem – „… wir sind wieder hier, mit Freunden zusammen…“. Auch einige meiner Freunde finden: „was für eine geile Zeit“, vielleicht auch, weil innovative, schöne Technik die Gegenwart spannender macht. Einem meiner Freunde, der besonders kritisch gegenüber eMobilität ist, hab ich kurz über dem Daumen vorgerechnet:
Ich bin bisher mit meinen VWs, Audis und BMWs ca. 700.000 km gefahren. Das entspricht rd. 60.000 lt. Treibstoff bzw. ein CO2-Ausstoß von ca. 100.000 kg. Morgen in der Früh macht dieser Freund, und einige andere werden folgen, eine Spritzfahrt mit dem Model 3. 

Wer sofort kaufen will, soll über den Link > https://ts.la/stefan77245 einen Tesla bestellen. Mit diesem Link gibt´s kostenloses Aufladen an allen Superchargern von Tesla für 7.500 km. (Status April 2019), bis auf Widerruf, ohne Obligo.)

Ich bin nun wirklich gespannt, wie das Leben im Alltag mit dem M3 funktioniert und ob die „neue Freude am Fahren“ das mir selbst suggerierte Versprechen hält. Somit hoffe ich, dass wir, die fast drei Jahre auf dieses Model 3 gewartet haben, in einem Jahr mehr wissen und begeistert bleiben.

PRAXIS-TIPP für meine Kunden und Leser/innen

Würde Tesla eine einzige Seite Prozessdokumentation für die Übergabe schreiben, verfügten sie bereits über einen Standard, der die Neukunden begeistern könnte. Eine einzige Seite Handbuch für einen wichtigen Prozess!

Machen Sie das für Ihre Arbeit, für Ihre Mitarbeiter/innen. Und Sie werden staunen, wie gut das wirkt, denn die meisten Ihrer Konkurrenten scheitern exakt an dieser einen Seite, weil sie sie nicht schreiben! Und nicht vermitteln. Und nicht kontrollieren!

Es grüßt der „one-Page-Manager“, den vielleicht einige meiner Generation aus den 80iger Jahren noch kennen.


Redakteur: Stefan Schranz, GF der http://www.schranz.com

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