Warum wir uns zumindest oberflächlich für technische Innovationen – wie zB autonomes Fahren – interessieren sollten … aber Studien nicht oberflächlich akzeptieren dürfen?! blog62

fraunhofer_aio_header

… selbst Studien vom bekannten Fraunhofer Institut müssen hinterfragt werden.

Die Beiträge von Dr. Mario Herger – Wien/Silicon Valley – verleiten immer wieder in die Frage: „…. und was könnte das für uns, für meine SMS-Kunden bedeuten?“

Dass technische Innovationen unser Leben und unser Business direkt oder indirekt beeinträchtigen, lässt sich nicht zuletzt aus der digitalen Transformation ablesen. Anstatt ein paar Beispiele dazu anzuführen, fragen Sie sich selbst, welche drei Branchen Ihnen schnell einfallen, die NICHTS mit der digitalen Entwicklung zu tun haben.

So wird auch beispielgebend das autonome Fahren in naher „Gegenwart“ uns alle begleiten. Variablen verschieben, die sich auf unser Business und unser Leben auswirken können.

Der folgende Beitrag soll meine Leser im Allgemeinen motivieren, sich für technische Entwicklungen zu interessieren, zumindest oberflächlich, damit man die eine oder andere Entscheidung auch mit Blick auf die nahe Zukunft (anders) zu fällen bereit ist.
Im Speziellen soll der Beitrag sensibilisieren. Erstens hinsichtliche Qualitäts-Gehalt von Studien, die man, auch wenn sie ein seriöses Image genießen, nicht unreflektiert glauben soll, und zweitens hinsichtliche der Rückschau, die wir auf folgenden Blog im Jahr 2030 machen können. Wie wird´s gekommen sein?

Das ist jetzt, am Beginn des zweiten Monats des Jahres 2019, für alle Führungskräfte eine interessante Frage, auf die keine seriöse Antwort gegeben werden kann.
Aber: Keine Vermutungen anzustellen wäre fahrlässig, wenn man das Recht oder die Pflicht hat für Firmen und Gesellschaft Entscheidungen zu erarbeiten.

Ich will www.schranz.blog/folgen 

GastBeitrag – Blog von Dr. Mario Herger, 20190202

Fantasielose Fraunhofer Studie zum Stand autonomer Autos erklärt den Rückstand der deutschen Automobilindustrie

Während die Google-Schwester Waymo bereits den ersten kommerziellen Betrieb von Robotertaxis aufgenommen hat und 62 Unternehmen in Kalifornien eine Genehmigung haben autonome Autos auf allen öffentlichen Straßen zu testen, wundern wir uns, warum deutsche Hersteller so abgeschlagen sind.

Eine Studie des Fraunhofer Instituts im Auftrag des BMVI mit dem Titel Energie- und Treibhausgaswirkungen des automatisierten und vernetzten Fahrens im Straßenverkehr zeigt die Gründe für die ganze Misere. Auf 219 Seiten wird von den Studienautoren auf die Auswirkungen von vollautomatisierten Fahrzeugen auf Treibhausgase bis 2050 eingegangen, wobei Szenarien entwickelt werden, die hoffnungslos fantasielos sind. Es wird in den Szenarien mehr oder weniger eine lineare Fortschreibung der aktuellen Trends und Verhaltensweisen vorausgesetzt.

Der früheste Markteintritt des vollautomatisierten Fahrens (Stufe 4) wird mit 2025 angesetzt:

Und das, obwohl der Markteintritt bereits heute geschehen ist. Waymo One betreibt die erste Robotaxi-Flotte in Phönix und arbeitet darauf hin, dieses Jahr auch in San Francisco und Mountain View zu starten und in den nächsten Jahren 82.000 Autos auf die Straße zu bringen.

Man beachte auch die Wortwahl bei den Diskussionen in Deutschland: vollautomatisiert und vernetzt. Ersteres zeigt den deutschen Ambitionslevel: anstelle von autonomen Fahren zu sprechen, deutet man mit dem Wort vollautomatisiert eigentlich nur ein Fahrerassistenzsystem an. Man erwartet eigentlich keine Ersetzung des Fahrers.

Auch vernetzt ist so eine Voraussetzung, an die man sich krampfhaft festhält. Das setzt aber Infrastruktur voraus, die die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und der Straßeninfrastruktur erwartet. Das haben Unternehmen wie Waymo und andere schon vor Jahren aufgegeben. Sie entwickeln Fahrzeuge, die nicht auf Vernetzung angewiesen sind, weil es heute weder Standards gibt, noch erwartet werden kann, dass die Gemeinden und Städte entsprechende Geldmittel haben, um die Straßen lückenlos damit auszustatten.

Auch geht die Studie davon aus, dass die Technologie die für autonomes Fahren notwendig ist auch im Jahr 2050 noch €5.000 kosten wird.

Hier gibt es gleich zwei Denkfehler: einerseits wird von einem linearen Preisverfall ausgegangen, und andererseits denken die Studienautoren, dass die Mehrheit der Fahrzeuge weiterhin im individuellen Privatbesitz anstelle in Robotertaxiflotten unterwegs sein werden.

Sieht man sich den Preisverfall bei Computern und Elektronik über die Jahre anhand des Mooreschen Gesetzes an, bei der sich Rechenleistung alle 18 Monate verdoppelt und umgekehrt damit der Preis für die gleiche Leistung alle 18 Monate halbiert, dann ist dieses Preisniveau bereits in knapp 7,5 Jahren von heute an erreicht, also 2026 und nicht 2050 (unter der Annahme, dass heute die notwendige Hardware €100.000 kostet).

Abgesehen von diesen Denkfehlern fehlt auch die Berücksichtigung von Interventionen des Gesetzgebers, sobald klar wird, um wieviel sicherer autonome Autos sind. Sollte die Technologie die Versprechungen einhalten, dass 80 bis 90 Prozent aller Verkehrsunfälle vermieden werden können – und dazu geben bereits erste Auswertungen des Einsatz von Autopilot und Fahrerassistenzsystemen einen Hinweis – dann wird aus ethischen Gründen der Einsatz von nichtautonomen Autos auf öffentlichen Straßen vermutlich noch vor 2030 sogar verboten werden.

Damit ist – unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit von Nachrüstkits zum autonomen Fahren für bestehende Fahrzeuge – eine hundertprozentige Bestandsrate im Zeitraum 2030 bis 2035 zu rechnen.

Damit lassen sich die von den Studienautoren für 2050 erwarteten Einsparungen bei Treibhausgasen schon viel früher erreichen.

Schlussfolgerung

Diese Studie führt deutlich vor Augen, wieso die deutsche Automobilindustrie bei den neuen Technologien und Geschäftsmodellen einen Rückstand hat. Es wird linear gedacht, unambitioniert vorgegangen, Denkfehler gemacht, von falschen Erwartungen ausgegangen, und von der gesamten Industrie und Politik falsche Schlussfolgerungen über den Stand der Dinge, der Dringlichkeit und den Möglichkeiten gezogen.

Das Fraunhofer Institut reiht sich damit in die Liste anderer deutsche Organisationen ein, die beitragen die Zukunft für Deutschland zu vergeigen. Da helfen mehr als 200 Seiten nicht, wenn man schon von Anfang an von falsche Voraussetzungen ausgeht. Schade! Das Fraunhofer Institut hat uns mit dieser Studie leider einen Bärendienst erwiesen.

Link zum Original-Blog >  Fantasielose Fraunhofer Studie zum Stand autonomer Autos erklärt den Rückstand der deutschen Automobilindustrie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s