Pusht Corona uns in den 4. Digital-Schub? #104

Das neue Normal, vielleicht schon ab Mitte 2021, wird in innovativen Unternehmen viel digitalisierter sein, als wir uns vor einem Jahr vorzustellen gewagt hätten. Außerdem werden wir nachher sagen, dass dieser Schub wichtig war, wenngleich wir auf fucking Corona gerne verzichtet hätten.

Seit Mitte der 80er Jahre ist die IT fixes Tool meines Alltages. Privat wie beruflich. Kurz nachdem die schweren Schreibmaschinen durch elektronische Wunderwerke der selben Gattung, zehn programmierbare Textbausteine inklusive, ersetzt wurden, hielten die Ataris und Commodores Einzug in den Alltag einiger early adopters. Und 1984, der Macintosh – mit Maus, WOW. 1985 Windows 1.0, eine Revolution nach MS-DOS. In meiner Erinnerung ereignete sich in diesen Mittachtzigern der erste große Digitalisierungsschub, der in der Gesellschaft angekommen ist. Die Thesen von Bill Gates und Steve Jobs waren damals bereits ein, zwei Jahrzehnte voraus.

Rund 10 Jahre später, der zweite Schub – eMail und Internet für jedermann. Und um die Jahrtausendwende klingelten dann die Smartphones an allen Enden und Ecken. Dieser dritte Schub, der sich langsam und vorhersehbar ankündigte, scheint heute, 20 Jahre später, nichts an Dynamik verloren zu haben.

Unvorhergesehen, nicht angekündigt und über Nacht schleuderte uns ein kleiner Virus in den Digitalisierungsschub Nummer vier. Die Assoziation zu dieser Phase ist kein Hardwareteil, auch keine bestimmte Software. Es ist in erster Linie eine Frage der Bereitschaft mitzumachen und auszuloten, wie inmitten einer Pandemie vieles, was bisher im Digital erfunden wurde, verwendet werden kann, wenn man durch Lockdowns mehr oder weniger in seinen vier Wänden eingesperrt ist. Gäste und Kunden ausgesperrt bleiben und wahrscheinlich bestimmte Firmen für immer zusperren.

Wie sieht dieser vierte Digitalisierungsschub durch Covid 19 aus?
Allem voran: sehr unterschiedlich. Und der Schub beim Absatz des Toilettenpapieres war auf jeden Fall beim ersten Lockdown offensichtlich bedeutend größer als der Schub in der Digitalisierung.

… bezeichnend 😉

Trotzdem: Die meisten Unternehmen, die durchwegs über einen hohen Digitalisierungsgrad aufweisen, reizen nach meiner Beobachtung die gängige Technik aus. Responsive Websites, Newsletter, Portale und Branchensoftware, so wie gute Hardware sind State of the Art. Aber nur gefühlte 20 Prozent der Unternehmen, die in der Regel auch in ihrer Kernkompetenz innovativ sind, blicken über diesen Tellerrand hinaus und googeln nach Digital-Tools, die den Komfort und die Produktivität in der Arbeit steigern.

Durch den coronabedingten Stillstand war das Aufräumen am Plan. Unter anderem kamen auch die vollen E-Mail-Posteingänge unter die Lupe. 1000, 2000 und mehr Mails, vielleicht verarbeitet, vielleicht noch offen, von intern oder von Kunden, wer weiß schon, was da unverrichteter Dinge liegen blieb. Dieser Zustand führte dazu, dass in einigen Unternehmen Kollaborations-Programme bzw. Intranets samt Organisations-Setup zum Zwecke effizienter interner Kommunikation und funktionierender Prozesse – vom Handbuch, über das Onboarding bis zu den delegierten Aufgaben – eingeführt wurden. Auch Homeoffice- und Mitarbeiter, die dezentral unterwegs sind, haben gewissermaßen ihr Dashboard auf dem Handy. Die Anwender der Software teamkit (für Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe), medikit und von hotelkit aus „Silicon Salzburg“ haben in dieser Phase die wahren Vorteile eines funktionierenden Intranets ausgereizt und noch mehr als in Tagen von business as usual zu schätzen gelernt.

Die signifikanteste Steigerung in der Corona-Zeit erlebten die Video-Konfrenzprogramme. So verzeichnete die Plattform ZOOM im Dezember 2019 rund 10 Millionen Nutzer, im März 2020 über 200 Millionen monatliche Nutzer. Faktor 20! Das hinterlässt große Spuren, die für manche Branchen bitter sind, für viele Unternehmen allerdings gigantische Kosten- und Effizienzsteigerungen sowie Speed in der Kommunikation ermöglichen. So haben wir unseren Hotel- und Dienstleistungs-Kunden sogenannte „Sponlinetalks“ empfohlen. Spontane Onlineunterhaltungen mit Stammgästen und Kunden oder Interessenten. Vielleicht sind in Zukunft Telefonate, eMails und normale Newsletter zweitrangig. Was zählt, ist das persönliche Gespräch, in dem man sich in die Augen schauen kann, und wenn´s nur von Monitor zu Monitor ist. Für meine Leser/innen, eine Checklist zum Download dazu > klick.

Eine massive Veränderung – insbesonders in der Hotellerie-, Gastro- und Tourismuswelt – fand und findet in den Sozialen Medien statt. Nach der ersten Schockstarre im März dominierten zwei Themen die Kommunikation mit den Gästen. Erstens wurden zwangsläufig die Stornobedingungen gemildert oder gar vom Tisch gewischt. Und zweitens war allseits der gegenseitige und nicht selten sehr emotional beschriebene Wunsch, gesund zu bleiben, im Mittelpunkt. Jetzt, im Herbst 2020 – Lockdown zwei, ungewiss, was die nächsten Wochen an Hiobsbotschaften liefern – ist fix, dass die schnelle Information auf vielen verschiedenen Kanälen an Relevanz gewinnt und vor allem gut organisiert werden muss. Inwieweit dies den vierten Digitalisierungsschub beflügeln wird, kann noch nicht quantifiziert werden. Fix ist allerdings, dass es kein back before corona geben wird. Das neue Normal, vielleicht schon ab Mitte 2021, wird viel digitalisierter sein, als wir alle noch 2019 zu vermuten gewagt hätten. Und das bedarf einer guten Story- und Channel-Planung in den Sozialen Medien. Dazu gibt es günstige und gute Software von der Stange, die die Arbeit „in diesem Wirr-Warr“ ermöglichen.

Corona hat wahrscheinlich in fünf Monaten einen größeren Digitalisierungsschub verursacht, als unter normalen Bedingungen in fünf Jahren erreicht worden wäre. Allerdings nicht flächendeckend, sondern dort, wo die Bereitschaft am größten ist, sich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen und innovative Lösungen zu entwickeln. Einige Unternehmen werden auch ohne Digitalisierungsschub erfolgreich bleiben, sofern das die Branche zulässt und die Kunden bis auf weiteres akzeptieren. Und andere Unternehmen werden wahrscheinlich im Status von 2019 verharren und eines Morgens aufwachen und bemerken, dass sie alt geworden sind.

Gruß und gsund bleiben. Stefan

stefan@schranz.com
+43 664 1323374

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2 Gedanken zu “Pusht Corona uns in den 4. Digital-Schub? #104

  1. Hallo Stefan,

    seitdem ich dich bei der Abholung deines Teslas getroffen habe folge ich ja deinem Blog. Und mein Skateboard fährt noch immer 🙂

    Ich arbeite im Bereich der Digitalisierung – ich unterstütze Kunde bei der Verwaltung mobiler Endgeräte. Und in Zeiten von Homeoffice sind selbst schwere Desktop Tower mobil geworden.

    Für mich war das Jahr ein wahnsinniger Erfolg – da selbst der härteste Verweigerer von Effizienzsteigerung durch Digitalisierung feststellen musste, dass es vielleicht oft gar nicht ander oder nur sehr ineffizient geht.

    Alles liebe aus der Steiermark, Andreas

    • Hallo Andreas
      Freu mich, von dir zu hören. Ich kann mich noch gute an unser spontanes Treffen erinnern und hab dich auch im Blog http://www.schranz.blog/tesla3 verewigt. Mittlerweile sind >60 Freunde, Skeptiker und eMobileFriends mit dem Model3 gefahren. Hab in den 20 Monaten schon 50.000 km runtergspult und es macht jeden Tag Spaß.
      Freut mich, dass dein business gut läuft. IT ist ja wirklich ein Bereich, der Corona nicht so hässlich wirken lässt.
      Gruß aus Tirol und schöne Weihnachten in der Steiermark
      Stefan

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