Neujahrsbrief 2023 von Stefan Schranz. #128

Die letzten zwei Jahre haben uns vor neue Fragen gestellt. Viele Fragen, auf die wir nur mühevoll Antworten gefunden haben. Gute, und solche, die nicht funktioniert haben. Die häufigste Frage, die ich aus vielen meiner Unterhaltungen entnehmen konnte, war…

Was zählt? Wirklich?

Die Frage ist alt. Corona hat sie nur stärker an die Oberfläche gespült. Und die Antworten gab es bereits vor dem 15. März 2020. Deshalb darf ich folgende Zeilen aus meinem Neujahrsbrief von 2016 wiederholen:

  • Es geht um das, was zwischen den Menschen passiert.
    Gute Momente, die so nachhaltig beeindrucken, dass man sie Monate später noch erzählt. Emotionen und Stimmungen, die kein Algorithmus in der Feinheit wie viele Menschen sie schaffen, zu erzeugen vermag.
  • Es geht um das, was uns umgibt.
    Ästhetik, auch im Sinne von „reduce to the max“.
    Echtheit, Qualität. Das, was wir sehen, angreifen, essen, tragen.
  • Es geht um mutige, große oder auch kleine Innovationen.
    Technik, Abläufe, Vereinfachungen, Deregulierungen, die, bevor sie von digitalen Maschinen unterstützt werden, erst von Menschen erdacht werden müssen.

Es geht also um Menschen. Deren Gedankenvielfalt. Deren Kreativität.
… nicht nur privat, auch mit Bezug auf die Services, die zwischen Kunden, Gästen und den MitarbeiterInnen geboten werden.

Genuss

Über den Genuss und das Genießen wird viel gesprochen. Genuss ist ein Schlagwort in der Werbung. Deko für unverbindliche Angebote, deren Versprechen nicht immer die Erwartungen erfüllen. Repräsentativ für den Genuss im Allgemeinen möchte ich mit folgenden Zeilen den kulinarischen Genuss im Speziellen als Referenz auch für den Genuss am Leben, den Genuss in der Natur oder auch den Genuss an schönem Design, Architektur, guter Technik und Mode bemühen:

In unserer Kultur bemerken viele Menschen trotz des plötzlichen Auflebens der Gourmetküche kaum, was sie sich in den Mund schieben, und versäumen daher viele Möglichkeiten, sich zu freuen. Um die biologische Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme zu einer flow-Erfahrung zu machen, muß man damit beginnen, dem Aufmerksamkeit zu schenken, was man ißt. Es ist erstaunlich – und entmutigend -, wenn Gäste liebevoll zubereitetes Essen ohne ein Zeichen der Anerkennung hinunterschlingen. Was für eine Mißachtung vielleicht neuer Erfahrungen, welche Unsensibilität! Um einen feinen Gaumen zu entwickeln, muß man wie bei allen anderen Kenntnissen psychische Energie einsetzen. Doch die so verbrauchte Energie wird mehrfach durch eine komplexere Erfahrung wieder wettgemacht. (Quelle: Flow, das Geheimnis des Glücks. S. 156)

Die Feinde der offenen Gesellschaft

Sie mehren sich, die Autokraten, die die liberale Demokratie systematisch verhindern, niederschlagen oder aushebeln. Am Balkan. Am Bosporus. Von Washington der letzen Jahre ganz zu schweigen. Über Rom der nächsten Monate hängt noch ein Damokles-Schwert – lange hält das Bündnis wahrscheinlich nicht. So auch in Jerusalem. London hat´s selbst verbockt. Und der Kreml, Kabul und Teheran scheinen ohnehin nur die Mittel der brutalen Gewalt zu beherrschen. Das ist für uns Geopolitik, die nur bis zur Mattscheibe reicht. Sie erreicht aber auch einige Politiker ganz rechts und ganz links in unseren Politreihen, gewissermaßen als Blaupause, wie´s auch im Kleinen funktionieren kann.
Vorerst beruhigt mich, dass der „radikale Zyniker“, der Austria great again machen wollte, bei der Bundespräsidentschaftswahl mit 5,6% von seinem imaginären Thron – fernab jeglicher Realität – gestoßen wurde.
Demnächst wird wichtig sein, dass bei den künftigen Wahlen die Seinesgleichen und jene, auf der gegenüberliegenden Sphäre mit ihren populistischen Versprechen nicht an die Macht kommen. Also: wehret den Anfängen! Und: Freunde der offenen Gesellschaft, der liberalen Demokratie, die sich an vernünftige rechtsstaatliche Regeln halten, sprecht darüber!

Buchtipp

Ich mag sie, die Bücher, die auf 200 Seiten das unterbringen, wofür andere AutorInnen 600 Seiten verschwenden. Rolf Dobelli, Gründer von Zürich.Minds, hat mehrere dieser kleinen Werke mit großer Wirkung geschrieben.
„Die Kunst des klugen Handelns“ ist eines davon, das ich dir für das neue Jahr gerne empfehle. Darin schreibt er zB auf drei kurzen Seiten: Warum auffällig nicht gleich wichtig ist. Oder: Das Boot, in dem du sitzt, zählt mehr als die Kraft, mit der du ruderst. Übrigens: die kurzen Kapitel eignen sich für das „analoge Einschlafen“, das ich mir zur Gewohnheit gemacht habe.

Zum Schluss – einfach zum Nachdenken

  • Einfach ist einfacher, aber zu einfach funktioniert auch nicht.
    So verhält sich das auch mit weniger ist mehr, denn zu wenig ist nicht sexy.
  • Bei 40 Stunden Work, 2 Stunden täglich für Haushalt und 6 Stunden Schlaf haben wir immer noch 72 Stunden für Life. In dieser Zeit könnte man zB jede Woche mit dem Fahrrad von Bregenz nach Wien und retour fahren, 2000 Seiten lesen und eine Menge Freundschaften pflegen. Ich finde, das ist eine gute Balance.
  • Sind viele der großen Speaker dieser Zeit nicht irgendwie wie die Hofnarren des 17. Jahrhunderts? Unterhalter und Märchenerzähler? Substanz für den echten Alltag gibt es selten auf diesen Showbühnen der Selbstdarsteller. Mehr davon bekommen wir, wenn wir unserem Hausverstand und unserer Intuition folgen.

Dir wünsch ich für das neue Jahr, dass du dein Potenzial in all dem, was für dich wirklich zählt, entfalten kannst. Dass du eintauchst in neue Tiefen des Genusses. Und dass du der offenen Gesellschaft das Wort sprichst.

Neujahrsbrief 2022 von Stefan Schranz #115

EINS
Fliegen, Synonym des Reisens. Unterwegs sein können hat durch den zeitweiligen Verzicht eine neue Qualität bekommen. Es ist wichtig, dass wir reisen! Mit dem Auto, auf dem Bike, in einem Wohnmobil oder mit dem Zug. Vielleicht fliegen, wenn es keine bessere Alternative gibt. Oder in Bälde als beste Alternative elektrisch fliegen.
Egal, ob wir selbst die Gäste oder die Reiseanbieter sind – zu wissen, dass das Reisen und Urlauben viel mehr ist als nur ein Freizeitmodus, beflügelt auf jeden Fall die Innovationen, die auch neue Dienstleistungen hervorbringen. Um mit Johanna Wagner-Katzera in „Zwischen den Zeilen reisen“ zu sprechen: Services, die das Sammeln immaterieller Momente viel leichter machen, aber wesentlich schwerer wiegen … denn das Substanzlose erschwert den Rucksack nicht, aber bereichert die Seele. Reisen, auch im Wissen, dass ein örtlicher Standpunktwechsel stets neue Perspektiven eröffnet und dadurch neue oder andere Optionen an der Oberfläche unserer Gedanken auftauchen. Eben neue Ideen, die uns hoffentlich gut durch dieses neue 22er Jahr bringen.

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Neujahrsbrief 2021 von Stefan Schranz. #106

Mein Foto des Jahres 2020.
Mir sind sieben Interpretationen dazu eingefallen. Eine lautet: „reduce to the max.“ Und dir?

Nicht alles, aber mehr, als wir uns vor einem Jahr vorstellen konnten, bleibt anders. Phase 1 war ein „Schwarzer Schwan“, ein Ereignis, das wir für unmöglich hielten. Phase 2 ein Sommer, der, was den Tourismus und die Freiheit betrifft, unerwartet gut war. Das lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken, weil die Menschen reisen wollen. Unstillbar die Lust auf Abwechslung und Natur, auf Berge, Wasser und Erlebnisse. Auf die magic places deiner Zeit. Und der Mon-Chéri-Effekt könnte die gut positionierten Urlaubsregionen beflügeln. Nun, mitten in der Phase 3, der wir mit Geduld und Respekt entgegnen müssen, bleibt uns der Blick nach vorne.


Ich habe seit März bei rund 100 Onlineveranstaltungen mitgemacht. Bei der größten, in der ich einen Beitrag als Referent leisten durfte, waren 780 Teilnehmer/innen. Von Hamburg bis Bozen, und alle saßen zu Hause und verfolgten, was wir mitzuteilen hatten. Wir haben gelernt Meetings und Vorträge online zu professionalisieren – Zoom, Teams und andere Plattformen haben uns viel Zeit geschenkt und viele Kilometer erspart, aber auch echte Begegnungen verwehrt. In Sachen Digital hat sich in einem halben Jahr mehr ereignet, als wir in einem halben Jahrzehnt erreicht hätten, wenn Corona uns nicht über Nacht überrollt hätte. Viel mehr Digital bleibt ab jetzt Alltag.


Zugleich hat sich die Qualität von zahlreichen persönlichen Begegnungen massiv gesteigert. Vielleicht, weil wir mehr Zeit hatten. Oder war es die Werteskala, die jede/r für sich – durch eine Reise nach innen – einem Update unterzogen hat? Deshalb schließe ich auch nicht aus, dass nach Corona die Sehnsucht nach  more of Soul-Service in den Vordergrund tritt. Service, der von innen kommt, intrinsisch und authentisch ist, und uns plötzlich erfahren lässt, dass es gut ist, wenn wir achtsam miteinander umgehen. Meine Erfahrung seit mittlerweile 40 Jahren als Dienstleister ist, dass exzellente Services an die Mitarbeiter zu transferieren eine ständige Aufgabe ist. Und ich weiß, dass das gelingt, wenn man die Sache gründlich und auch mit den richtigen Werkzeugen umsetzt. Das ist mehr Handwerk als Philosophie. Und besser konkret als abstrakt.

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Neujahrsbrief 2020 von Stefan Schranz. blog81

7 Gedanken zum Jahresstart


1 – KLIMA & GRETA

Wie sollen wir es wissen, wenn sich die Wissenschaftler/innen beim Thema Klima nicht einig sind. Und Greta Thunberg weiß es wahrscheinlich auch nicht besser. Egal. Zumindest die Nebenwirkungen können Einiges: Die Luft in den Städten wird für Millionen von Kindern und Erwachsenen besser. Stinkige Krawallautos mit 4 dicken Auspüffen werden zunehmend von der Straße verschwinden. Und vollgespritzte Lebensmittel, die rund um die Welt geflogen werden, haben immer weniger Platz in den Regalen der Geschäfte.

Es wird stiller. Schöner. Besser. … weil Greta schon lange mehr erreicht hat, als die 100 größten Kommunikationsagenturen dieser Welt je zu thematisieren in der Lage wären. Trotzdem, oder gerade deswegen, sollten wir alle im neuen Jahr unseren Fokus im Umgang mit Greta und dem Klima darauf legen, dass dies NICHT in einen Krieg JUNG gegen ALT ausartet. Diese Spaltung entspringt derzeit einer allgegenwärtigen Dummheit, deren Undifferenziertheit gegen jegliche Lösung des Problems wirkt.

Die Welt zusperren ist keine Lösung. Eine 100%-Lösung zu erwarten oder stattdessen den Kopf in den Sand stecken auch nicht. Es gilt, technische Möglichkeiten anzuwenden, sinnvolle gesetzliche Rahmenbedingungen einzufordern und zu befolgen und mit dem eigenen Engagement einen Beitrag zu leisten.
  All das funktioniert. Das haben die Alten bereits bewiesen, wie in „Die Welt wird immer besser“ von Hans Rosling faktisch dargestellt wird.

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Neujahrsbrief 2019 von Stefan Schranz. blog58

7 Gedanken zum Jahresstart

1. 25 JAHRE SMS – SCHRANZ MANAGEMENT SYSTEM: Offiziell hat meine Beratungs- und Entwicklungstätigkeit im Rahmen von SMS 1993 begonnen.
Seminare in St. Wolfgang am Wolfgangsee, zwischen Wien und Hamburg, und natürlich in Tirol rufen Erinnerungen an eine entwicklungsintensive Zeit wach. Bei manchen Veranstaltungen waren drei Teilnehmer/innen, bei anderen 300. Insgesamt rund 30.000.
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Die Struktur der 7 Management-Bereiche, um ein Unternehmen ganzheitlich zu entwickeln und darzustellen, sind bis heute unverändert geblieben und haben viele Management-Modewellen überlebt. Innerhalb dieser stabilen Struktur herrscht allerdings Dynamik, Anpassung und immer der Blick nach vorn. So wird 2019 das Thema „Digital“ einen prominenten Platz einnehmen.

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Neujahrsbrief 2018 von Stefan Schranz. blog42

7 Gedanken zum Jahresstart
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 1. MEINE HEMAT: Vor 50 Jahren war die Fisser Schiliftgesellschaft ein kleines Start-up-Unternehmen. Den Begriff gab es halt noch nicht, aber das Engagement war bestimmt so groß, wie bei den mutigen Start-Ups von heute. Daraus entwickelte sich die Bergbahn Fiss-Ladis. Heute zählt das gemeinsame Skigebiet mit Serfaus rd. 1,7 Mio. Skierdays (Gästeeintritte), der zehntgrößte „Ski-Player“ der Welt, ca. 800 direkte Mitarbeiter/innen (am Berg rd. 2.000 zu Spitzenzeiten inkl. Skischulen) und zwei starke Saisonen.
Das große Ganze und die zukunftsfähigkeit der Betriebe und der Orte stand und steht immer im Vordergrund. Seit 28 Jahren darf ich als Aufsichtsrat einen Beitrag dazu leisten. Was mich stets besonders interessiert hat, waren die Serviceleistungen, die, wie wir aus vielen Feedbacks entnehmen dürfen, recht gut gelingen. Seit Jahren rangieren wir unter den top 3 von 44 bekannten Skigebieten im gesamten Alpenraum. Ein Rückblick >

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Neujahrsbrief 2017 von Stefan Schranz. blog21

 
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Stefan, Elisa & Walli Schranz

Österreich an dritter Stelle, so die Independent UK, in „The 11 safest countries in the world.“ Vor diesem Hintergrund mag man einen Jahreswechsel mit Familie, Freunden und Geschäftspartnern feiern. 

 
Zum Jahresbeginn stellt man sich die Frage: 
Was geht? Was bleibt? Was kommt? 2017?
 
In meiner Arbeit, spezielle Dienstleistungen zu entwickeln und Seminare bzw. Vorträge darüber zu halten, hat sich in den 20 Jahren seit Bestehen von Schranz Management viel verändert.
 
Geht
Langwierige Mehrtagesseminare, lange Vorstellungsrunden und noch längere Feedbacksessions waren nie mein Ding. Auch diese „Alles-ist-möglich-wenn-man-nur-daran-glaubt-Management-Märchenerzähler“ scheinen aus der Mode gekommen zu sein. Es wurde auch Zeit!
 

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Neujahrsbrief 2016 von Stefan Schranz. blog8

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Walli und Stefan Schranz

1030 von 1200 Berufen sind durch Computer ersetzbar. Heißt, rund 85% der Arbeit kann weitgehend (70%) digital erledigt werden.

Einige wünschen sich ein „back to the roots“, also IT ignorieren oder z.B. die Entwicklung von effizienter Auto- , Energie- und Logistiktechnologie in alter Lobbyistenmanier verhindern. Meist mit äußerst fadenscheinigen Argumenten, versteht sich.

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Neujahrsbrief 2015 von Stefan Schranz. blog6

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Grüße und ein gutes neues Jahr wünsche ich von der Skipiste. Stefan.

Ich bewundere die Erfolge, die derzeit erreicht werden. Gratulation an alle, die innovieren, out of the box denken und exzellente Dienstleistungen bieten, indem sie täglich aufs Neue daran arbeiten. An alle, die sich nicht jeder noch so üblichen Konvention unterwerfen und  sich ab und zu fragen, ob denn der aktuelle Mainstream zu ihrem Leben passt.

DIE sind es, die Einmaliges, Neues, Liebenswertes und Schönes schaffen und dadurch vielen Menschen zumindest erlebniswerte Momente  ermöglichen oder auch an wichtigen Entwicklungen für die Zukunft arbeiten. Das schaffen sehr oft „einzelne Köpfe“ – sehr wahrscheinlich auch die professionellsten Ihrer Mitarbeiter/innen – und KMUs weit besser als „Die Großen“, die nicht selten – was Dienstleistungsniveau und Innovation betrifft – in ihrem privilegierten Status verharren.

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